PRÜFUNG | MÄRZ 2026
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Abschlussprüfung Fachinformatiker Anwendungsentwicklung: So findest du das richtige Projektthema

Die betriebliche Projektarbeit macht 50 % der Abschlussprüfung Teil 2 für Fachinformatiker Anwendungsentwicklung aus. Sie ist daher immens wichtig für dein Gesamtergebnis. Azubis scheitern selten an der Umsetzung der Projektarbeit, sondern an der Themenwahl. Denn: Ein zu einfaches Thema oder ein zu komplexes, welches den Rahmen von 80 Stunden sprengt, wird abgelehnt. Hat dein Thema keinen betrieblichen Bezug, überzeugt das ebenfalls keinen Prüfungsausschuss.

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Projektthema finden
Konkrete Beispiele
Häufige Fehler
Antrag richtig formulieren
Zeitplanung aufschlüsseln
Praktische Tipps

In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du systematisch ein passendes Projektthema findest, welche Kriterien du erfüllen und welche Fehler du vermeiden solltest.


Was die IHK von deinem Abschlussprojekt erwartet


Bevor du mit der Themensuche startest, solltest du die Rahmenbedingungen kennen. In der Ausbildungsverordnung steht klar, was der Prüfungsausschuss von dir sehen will:

  • Du konzipierst und realisierst ein Softwareprodukt oder eine Softwareerweiterung.
  • Du analysierst Anforderungen, entwirfst eine Architektur und setzt sie um.
  • Du wählst geeignete Methoden und Werkzeuge aus und begründest deine Entscheidungen.
  • Du testest deine Lösung systematisch und dokumentierst die Ergebnisse.
  • Du dokumentierst das Projekt anforderungsgerecht.


Dafür hast du maximal 80 Stunden. Die IHK prüft beim Projektantrag, ob das Thema in dieser Zeit realistisch umsetzbar ist. Projekte, die deutlich unter 70 Stunden liegen oder die 80 Stunden offensichtlich überschreiten, werden abgelehnt.


Zusätzlich präsentierst du deine Ergebnisse in maximal 15 Minuten und führst ein Fachgespräch von ebenfalls 15 Minuten. Deine Dokumentation und dein Fachgespräch fließen zu gleichen Teilen in deine Benotung ein.


Ein häufiges Missverständnis: Der Prüfungsausschuss bewertet nicht das fertige Produkt, sondern deinen Arbeitsprozess. Du musst zeigen, dass du strukturiert vorgehst, Entscheidungen fundiert triffst und das Projekt professionell abwickelst.

Wie du systematisch ein Thema für dein Projekt findest

Die IHK erwartet von dir, dass du ein Projekt aus der betrieblichen Praxis mitbringst und dabei einen konkreten Bedarf löst. Einfach ein Projektthema aus einer Liste im Internet nehmen ist daher nicht die Lösung. Wir zeigen dir eine Struktur, mit der du die Themenfindung richtig angehen kannst.


Schritt 1: Probleme und Bedarfe im Betrieb identifizieren


Sprich mit deinem Ausbilder, mit Kollegen aus der Entwicklung und mit Fachabteilungen. Frag gezielt:

  • Wo gibt es wiederkehrende manuelle Prozesse, die durch Software automatisiert werden könnten?
  • Welche bestehende Software ist veraltet, schwer wartbar oder schlecht dokumentiert?
  • Wo fehlen Schnittstellen zwischen Systemen, die Daten manuell übertragen?
  • Welche internen Tools wünschen sich die Fachabteilungen, die es noch nicht gibt?
  • Gibt es bestehende Anwendungen, die um neue Funktionen erweitert werden sollen?


Diese Fragen liefern fast immer konkrete Ansatzpunkte. Notiere dir alles, auch wenn es auf den ersten Blick zu klein oder zu groß wirkt.


Schritt 2: Themen auf FIAE-Relevanz prüfen


Nicht jedes IT-Projekt ist ein FIAE-Projekt. Der Prüfungsausschuss muss erkennen, dass du 70 bis 80 Stunden Tätigkeiten eines Fachinformatikers für Anwendungsentwicklung ausübst. Dein Projekt sollte deshalb in mindestens eine dieser Kategorien fallen:

  • Webanwendungen: Entwicklung oder Erweiterung von Frontends, Backends oder Full-Stack-Anwendungen mit Frameworks wie React, Angular, Spring Boot oder Django
  • Desktop-Anwendungen: Entwicklung von Fachanwendungen mit C#, Java oder Python, z. B. zur Datenverwaltung oder Prozesssteuerung
  • Mobile Apps: Entwicklung nativer oder hybrider Apps für interne oder externe Anwendungsfälle
  • Schnittstellen und APIs: Konzeption und Implementierung von REST- oder GraphQL-APIs zur Anbindung externer Systeme
  • Datenbankanwendungen: Entwicklung von Anwendungen mit komplexer Datenbanklogik, Reporting oder Datenmigrationen
  • Automatisierung: Skript- oder toolbasierte Lösungen zur Automatisierung von Geschäftsprozessen


Wenn dein Thema in keine dieser Kategorien passt, ist das ein erstes Warnsignal.


Schritt 3: Komplexität und Umfang prüfen


Ein gutes Thema hat genügend Planungstiefe. Das bedeutet: Du musst Entscheidungen treffen, Alternativen bewerten und deine Wahl begründen können. Eine reine CRUD-Anwendung ohne Architekturentscheidung, ohne Vergleich von Frameworks und ohne wirtschaftliche Betrachtung reicht nicht.


Prüfe dein Thema mit diesen Fragen:

  • Gibt es mindestens zwei Lösungsansätze, die ich vergleichen kann (z. B. Frameworks, Architekturen, Datenbanksysteme)?
  • Kann ich eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durchführen (z. B. Make-or-Buy, Lizenzkosten, Zeitersparnis)?
  • Lässt sich das Projekt in Phasen gliedern (Analyse, Entwurf, Implementierung, Test, Dokumentation)?
  • Sind 80 Stunden realistisch, ohne zu hetzen und ohne Leerlauf?
  • Gibt es genügend fachliche Tiefe für ein 15-minütiges Fachgespräch?


Wenn du alle fünf Fragen mit Ja beantworten kannst, hast du ein solides Thema.

Konkrete Beispiele für Projektthemen

Die folgenden Beispiele stammen aus realen Abschlussprojekten und wurden von IHK-Prüfungsausschüssen genehmigt. Sie dienen als Orientierung, nicht als Vorlage zum Kopieren.


Webanwendungen und APIs

  • Entwicklung einer RESTful-Webapplikation zur Verwaltung von Kundenstammdaten mit rollenbasierter Zugriffskontrolle
  • Konzeption und Umsetzung eines webbasierten Dashboards zur Visualisierung von Produktionskennzahlen
  • Implementierung einer Schnittstelle zwischen einem ERP-System und einem externen Logistikdienstleister über REST-API


Desktop-Anwendungen

  • Entwicklung einer C#-Desktopanwendung zur automatisierten Erstellung von Prüfprotokollen
  • Konzeption und Umsetzung eines internen Ticketsystems als Java-Anwendung mit Datenbankanbindung
  • Erweiterung einer bestehenden Lagerverwaltungssoftware um eine Inventurfunktion


Automatisierung und Datenverarbeitung

  • Entwicklung eines Python-Tools zur automatisierten Datenbereinigung und Migration zwischen zwei Datenbanksystemen
  • Konzeption und Implementierung eines Microservice zur automatischen PDF-Generierung aus Auftragsdaten
  • Erstellung einer Programmbibliothek zur Synchronisierung von Online- und Offline-Datenbanken

Häufige Fehler bei der Themenwahl

Aus den Erfahrungen von Prüfungsausschüssen lassen sich typische Fehler ableiten, die zur Ablehnung von Projektanträgen führen:


Zu wenig Eigenleistung. Ein Projekt, das hauptsächlich aus Konfiguration eines fertigen Frameworks oder der Anpassung eines Standardprodukts besteht, zeigt keine Entwicklungskompetenz. Der Prüfungsausschuss will sehen, dass du selbst Code schreibst, Architekturentscheidungen triffst und Lösungen entwirfst.


Kein realer betrieblicher Bedarf. Das Projekt muss einen konkreten Nutzen für deinen Ausbildungsbetrieb haben. Fiktive Szenarien oder reine Lernübungen werden nicht akzeptiert. Auch ein privates Hobbyprojekt, das du im Nachhinein als Betriebsprojekt deklarierst, fällt durch.


Falsche Zeitkalkulation. Die Zeitplanung muss zwischen 70 und 80 Stunden liegen. Wer 50 Stunden einplant, zeigt ein zu simples Projekt. Wer 100 Stunden kalkuliert, ein nicht beherrschbares. Beides führt zur Ablehnung. Plane die Dokumentation mit ca. 10 - 12 Stunden ein.


Vage Projektbeschreibung. Der Prüfungsausschuss besteht aus betriebsfremden Personen. Wenn dein Antrag nicht klar beschreibt, was du tust und warum, wird er zurückgewiesen. Konkrete Angaben schlagen allgemeine Formulierungen.


Thema passt nicht zur Fachrichtung. Ein reines Infrastrukturprojekt ist kein FIAE-Projekt. Ebenso wenig ein Projekt, das hauptsächlich aus Beratung, Schulung oder reiner Datenbankverwaltung ohne Anwendungslogik besteht. Der Schwerpunkt muss auf Softwareentwicklung liegen.

Den Projektantrag richtig formulieren

Der Projektantrag ist deine Eintrittskarte. Wird er abgelehnt, musst du ein komplett neues Thema einreichen. Es lohnt sich also, hier sorgfältig zu arbeiten.


Ein guter Projektantrag enthält:

  • Eine klare Beschreibung des Ist-Zustands und des Problems
  • Die Definition des Soll-Zustands und des Projektziels
  • Eine nachvollziehbare Zeitplanung mit Phasen und Stundenangaben
  • Die Einordnung des Projekts in den betrieblichen Kontext
  • Einen groben Überblick über geplante Technologien, Werkzeuge und Methoden


Formuliere so, dass eine betriebsfremde Person dein Projekt versteht. Vermeide interne Abkürzungen ohne Erklärung. Beschreibe den Geschäftsprozess und die Schnittstellen deines Projekts innerhalb des Unternehmens.

Die Zeitplanung aufschlüsseln

Die IHK erwartet eine detaillierte Zeitplanung, die dein Projekt in Phasen gliedert. Die einzelnen Zeitblöcke sollten maximal 5 Stunden umfassen. Eine typische Aufteilung für ein 80-Stunden-Projekt sieht so aus:

  • Analysephase (ca. 10 - 15 Stunden): Ist-Analyse, Anforderungserhebung, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
  • Entwurfsphase (ca. 15 - 20 Stunden): Softwarearchitektur, Datenbankdesign, Oberflächenentwurf, Auswahl von Frameworks und Tools
  • Implementierungsphase (ca. 25 - 30 Stunden): Programmierung, Datenbankanbindung, Schnittstellenimplementierung
  • Testphase (ca. 5 - 10 Stunden): Unit-Tests, Integrationstests, Abnahme
  • Dokumentation (ca. 10 - 12 Stunden): Projektdokumentation, Entwicklerdokumentation, Benutzerhandbuch

Diese Zahlen sind Richtwerte. Je nach Projekt verschieben sich die Anteile. Entscheidend ist, dass deine Zeitplanung nachvollziehbar ist und in Summe zwischen 70 und 80 Stunden ergibt.

Praktische Tipps für die Umsetzung

Sobald dein Antrag genehmigt ist, beginnt die eigentliche Arbeit. Drei Dinge helfen dir dabei:


Ab Tag 1 dokumentieren


Am besten führst du von Anfang an ein Projekttagebuch. Darin hälst du Entscheidungen, Probleme und Lösungen fest. Denn am Ende musst du eine lückenlose Dokumentation abgeben. Wenn du erst am Ende anfängst zu dokumentieren, hast du unter Umständen schon die Hälfte vergessen.


Präsentation ausführlich üben


15 Minuten sind wenig Zeit. Diese musst du optimal nutzen. Eine gute Präsentation braucht daher Struktur und Übung. Präsentiere vor Freunden, Familie oder Kollegen, nimm Feedback an und arbeite es anschließend ein. Der Prüfungsausschuss merkt, ob jemand vorbereitet ist oder nicht. Je mehr Übung du hast, desto sicherer wirst du!


Bereite dich auf das Fachgespräch vor. 


Im Fachgespräch wirst du von den Prüfern zu deinen Entscheidungen befragt. Warum hast du dieses Framework ausgewählt und nicht das andere? Wie bist du beim Testing vorgegangen? Welche Entwurfsmuster hast du verwendet und warum? Kannst du das Projekt skalieren und wenn ja, wie? Simuliere solche Fragen mit deinem Ausbilder oder Kollegen.


Fazit


Du siehst, mit dem richtigen Ansatz findest du das für dich passende Projektthema. Wenn du systematisch deinen Betrieb analysierst, deine Fähigkeiten richtig einschätzt und die Anforderungen der IHK beachtest, wird sich das positiv auf dein Projekt und damit auf deine gesamte Prüfung auszahlen. Daher unsere Empfehlung: Nimm dir Zeit für deine Projektauswahl und einen sauberen Projektantrag.


Solltest du unsicher sein: Sprich einfach ehemalige Prüflinge oder deinen Ausbilder an. Du kannst auch in diversen Foren schauen, welche Projektthemen andere Azubis in der Vergangenheit bearbeitet haben und dich davon inspirieren lassen.


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