PRÜFUNG | MÄRZ 2026
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Abschlussprüfung Fachinformatiker Systemintegration: So findest du das richtige Projektthema

Die betriebliche Projektarbeit macht 50 % der Abschlussprüfung Teil 2 aus. Sie entscheidet damit maßgeblich über das Gesamtergebnis. Trotzdem scheitern Azubis selten an der Umsetzung selbst, sondern an der Themenwahl. Ein zu einfaches Thema wird abgelehnt. Ein zu komplexes Thema sprengt die 40 Stunden. Und ein Thema ohne echten betrieblichen Bezug überzeugt keinen Prüfungsausschuss.


Dieser Beitrag zeigt, wie du systematisch ein passendes Projektthema findest, welche Kriterien die IHK anlegt und welche Fehler du vermeiden solltest.

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Projektthema finden
Konkrete Beispiele
Häufige Fehler
Antrag richtig formulieren
Praktische TIpps

Was die IHK vom Abschlussprojekt erwartet


Bevor du nach Themen suchst, solltest du die Rahmenbedingungen kennen. Die Ausbildungsordnung definiert klar, was der Prüfungsausschuss sehen will:

  • Du analysierst auftragsbezogene Anforderungen.
  • Du schlägst Lösungsalternativen vor und bewertest sie technisch, wirtschaftlich und qualitativ.
  • Du führst Systemänderungen oder -erweiterungen durch und übergibst sie.
  • Du analysierst Schwachstellen und setzt Schutzmaßnahmen um.
  • Du dokumentierst das Projekt anforderungsgerecht.

Dafür hast du maximal 40 Stunden. Die IHK prüft beim Projektantrag, ob das Thema in dieser Zeit realistisch umsetzbar ist. Projekte, die weniger als 36 Stunden dauern oder die 40 Stunden deutlich überschreiten, werden abgelehnt.


Zusätzlich präsentierst du deine Ergebnisse in maximal 15 Minuten. Es schließt sich das Fachgespräch mit den IHK-Prüfern für 15 Minuten an. Projektdokumentation und Fachgespräch zählen gleichwertig für die Abschlussprüfung.

Wie du systematisch ein Thema für dein Projekt findest

Ein gutes Projektthema kommt nicht aus einer Liste im Internet. Du findest es mit Hilfe deiner Ausbilder im Betrieb. Die IHK erwartet ein reales betriebliches Projekt, das einen konkreten Bedarf löst. Trotzdem gibt es eine Struktur, mit der du die Themenfindung angehen kannst.


Schritt 1: Probleme und Bedarfe im Betrieb identifizieren


Sprich mit deinem Ausbilder, mit Kollegen aus der IT-Abteilung und mit Fachabteilungen. Frage gezielt:

  • Wo gibt es wiederkehrende manuelle Aufgaben, die automatisiert werden könnten?
  • Welche Systeme sind veraltet oder nicht mehr wartbar?
  • Wo gibt es Sicherheitslücken oder fehlende Dokumentation?
  • Welche IT-Infrastruktur soll in den nächsten Monaten erweitert werden?

Diese Fragen liefern fast immer konkrete Ansatzpunkte. Notiere dir alles, auch wenn es auf den ersten Blick zu klein oder zu groß wirkt.


Schritt 2: Themen auf FISI-Relevanz prüfen


Nicht jedes IT-Projekt ist ein FISI-Projekt. Der Prüfungsausschuss muss erkennen, dass du 35 bis 40 Stunden Tätigkeiten eines Fachinformatikers Systemintegration ausübst. Dein Projekt sollte deshalb in mindestens eine dieser Kategorien fallen:

  • Netzwerktechnik: Firewall-Konfiguration, VLAN-Segmentierung, VPN-Anbindung, Routing
  • Serverdienste: Aufbau oder Migration von Verzeichnisdiensten, Mail-Systemen, Fileservern
  • Virtualisierung: Einführung oder Migration auf VMware, Hyper-V, Proxmox
  • IT-Sicherheit: Zero-Trust-Konzepte, Patch-Management, Backup-Strategien
  • Monitoring: Aufbau von Überwachungssystemen mit Prometheus, Grafana, Zabbix oder PRTG
  • Automatisierung: Deployment-Pipelines, automatisierte Betriebssystem-Installationen, Ansible-Playbooks

Wenn dein Thema in keine dieser Kategorien passt, ist das ein erstes Warnsignal.


Schritt 3: Komplexität und Umfang prüfen


Ein gutes Thema hat genügend Planungstiefe. Das bedeutet: Du musst Entscheidungen treffen, Alternativen bewerten und deine Wahl begründen können. Ein reines Aufsetzen eines Servers ohne Planung, ohne Vergleich von Alternativen und ohne wirtschaftliche Betrachtung reicht nicht.


Prüfe dein Thema mit diesen Fragen:

  • Gibt es mindestens zwei Lösungsansätze, die ich vergleichen kann?
  • Kann ich eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durchführen (z. B. Make-or-Buy, Lizenzkosten)?
  • Lässt sich das Projekt in Phasen gliedern (Analyse, Planung, Umsetzung, Test, Dokumentation)?
  • Sind 40 Stunden realistisch, ohne zu hetzen und ohne Leerlauf?

Wenn du alle vier Fragen mit Ja beantworten kannst, hast du ein solides Thema.

Konkrete Beispiele für FISI Projektthemen

Die folgenden Beispiele stammen aus realen Abschlussprojekten und wurden von IHK-Prüfungsausschüssen genehmigt. Sie dienen als Orientierung, nicht als Vorlage zum Kopieren.


Netzwerk und Sicherheit

  • Migration eines bestehenden Firewall-High-Availability-Systems auf eine neue Plattform
  • Implementierung eines Dual-WAN-Routers mit Firewall-Funktionalität
  • Einführung einer Netzwerksegmentierung mittels VLANs zur Absicherung interner Systeme


Virtualisierung und Server

  • Migration einer bestehenden Serverumgebung auf eine Proxmox-Virtualisierungsplattform
  • Aufbau eines redundanten Hyper-V-Clusters für geschäftskritische Anwendungen
  • Einführung eines zentralen Verzeichnisdienstes mit Active Directory


Automatisierung und Monitoring

  • Evaluierung und Umsetzung einer automatisierten Installation von Windows- und Linux-Systemen
  • Implementierung eines Patchmanagementsystems zur zentralen Softwareverteilung
  • Aufbau eines Monitoring-Systems mit Prometheus und Grafana für die Server-Infrastruktur

Häufige Fehler bei der Themenwahl

Aus den Erfahrungen von Prüfungsausschüssen lassen sich typische Fehler ableiten, die zur Ablehnung von Projektanträgen führen:


Zu wenig Planungstiefe.


Ein Projekt, das nur aus Installation und Konfiguration besteht, zeigt keine Entscheidungskompetenz. Der Prüfungsausschuss will sehen, dass du Alternativen bewertest und fundiert entscheidest.


Kein realer betrieblicher Bedarf.


Das Projekt muss einen konkreten Nutzen für deinen Ausbildungsbetrieb haben. Fiktive Szenarien oder reine Lernübungen werden nicht akzeptiert.


Falsche Zeitkalkulation.


Die Zeitplanung muss zwischen 36 und 40 Stunden liegen. Wer 25 Stunden einplant, zeigt ein zu simples Projekt. Wer 50 Stunden kalkuliert, dessen Projekt ist zu umfangreich. Beides führt zur Ablehnung.

Vage Projektbeschreibung.


Der Prüfungsausschuss besteht zwar aus fachkundigen, aber betriebsfremden Personen. Wenn dein Antrag nicht klar beschreibt, was du tust und warum, wird er zurückgewiesen. Konkrete Angaben schlagen allgemeine Formulierungen.


Thema passt nicht zur Fachrichtung.


Ein reines Softwareentwicklungsprojekt ist kein FISI-Projekt. Ebenso wenig ein Projekt, das hauptsächlich aus Beratung oder Schulung besteht. Der Schwerpunkt muss auf Systemintegration liegen.

Den Projektantrag richtig formulieren

Der Projektantrag ist deine Eintrittskarte. Wird er abgelehnt, musst du ein komplett neues Thema einreichen. Es lohnt sich also, hier sorgfältig zu arbeiten.


Ein guter Projektantrag enthält:

  • Eine klare Beschreibung des Ist-Zustands und des Problems
  • Die Definition des Soll-Zustands und des Projektziels
  • Eine nachvollziehbare Zeitplanung mit Phasen und Stundenangaben
  • Die Einordnung des Projekts in den betrieblichen Kontext
  • Einen groben Überblick über geplante Ressourcen und Werkzeuge

Formuliere so, dass eine betriebsfremde Person dein Projekt versteht. Vermeide interne Abkürzungen ohne Erklärung. Beschreibe den Geschäftsprozess und die Schnittstellen deines Projekts innerhalb des Unternehmens.

Praktische Tipps für die Umsetzung deines Projekts

Sobald dein Antrag genehmigt ist, beginnt die eigentliche Arbeit. Drei Dinge helfen dir dabei:


Dokumentiere ab Tag 1.


Führe von Anfang an ein Projekttagebuch. Halte Entscheidungen, Probleme und Lösungen fest. Am Ende musst du eine lückenlose Dokumentation abgeben. Wer erst am Ende dokumentiert, vergisst die Hälfte.


Übe die Präsentation.

15 Minuten klingen nach wenig. Aber eine gute Präsentation braucht Struktur und Übung. Präsentiere vor Kollegen, nimm Feedback an und arbeite es ein. Der Prüfungsausschuss merkt, ob jemand vorbereitet ist.


Bereite dich auf das Fachgespräch vor.


Im Fachgespräch wirst du zu deinen Entscheidungen befragt. Warum diese Lösung und nicht die Alternative? Was wäre passiert, wenn eine Komponente ausfällt? Wie hast du getestet? Simuliere solche Fragen mit deinem Ausbilder oder Kollegen.


Fazit


Das richtige Projektthema zu finden, ist kein Zufall. Es ergibt sich aus einer systematischen Analyse deines Ausbildungsbetriebs, einer ehrlichen Einschätzung deiner Fähigkeiten und dem Abgleich mit den IHK-Anforderungen. Nimm dir die Zeit für eine saubere Themenwahl und einen präzisen Projektantrag. Beides zahlt sich in der gesamten Prüfung aus.


Und wenn du unsicher bist: Sprich mit deinem Ausbilder, frage ehemalige Prüflinge oder schaue in Foren wie fachinformatiker.de nach realen Beispielen. Andere sind den gleichen Weg vor dir gegangen und teilen ihre Erfahrungen.


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